Unsere
Welt wächst weiter zusammen, Entfernungen spielen nicht mehr
die ganz große Rolle. Der Kunde kann seine Produkte via Internet
auch im Ausland einkaufen, wenn er dadurch einen Vorteil hat. Auf
der Unternehmerseite war das bislang nicht ganz so einfach. So konnten
bis vor kurzem noch erhebliche bürokratische Hürden dafür
sorgen, dass es für ein deutsches Unternehmen schwierig war,
eine Tochtergesellschaft im Ausland zu gründen. Es mussten
hier die jeweiligen gesetzlichen Vorschriften und Formalitäten
eingehalten werden, die in dem betreffenden Land galten.
Das hat sich im Jahre 2004 mit dem Gesetz zur Einführung
der Europäischen Gesellschaft (SEEG) geändert. Denn
die neue Rechtsform Societas Europaea, abgekürzt SE, ist
eine europäische Aktiengesellschaft, deren Kapital mindestens
120.000 € betragen muss. Die SE, im Alltag auch Europäische
AG oder Gesellschaft genannt, kann ihren Sitz in verschiedenen
Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben. In der Praxis
heißt das: Wenn ein Unternehmen europaweit tätig ist,
kann es grenzüberschreitend eine SE werden und eine einzige
Rechtspersönlichkeit besitzen, wie das im Juristendeutsch
heißt. Es gelten also dann nicht mehr die verschiedenen
nationalen Vorschriften, was eine Ersparnis in der Verwaltung,
an Zeit und dadurch letztlich auch an Kosten darstellt. Beispielsweise
muss bei einer Europäischen AG für eine Unternehmensniederlassung
in einem anderen Land kein eigener Jahresabschluss aufgestellt
werden. Im Rahmen seiner Kommunikationspolitik kann sich ein Unternehmen
dann auch länderübergreifend dem Ecommerce
Marketing widmen und dadurch natürlich auch wirtschaftlichen
Nutzen ziehen. Weitere Informationen findet man auf seriösen
Seiten wie beispielsweise auf der des Bundesministeriums für
Justiz (www.bmj.bund.de, dort findet man mit dem Stichwort Europäische
Gesellschaft einen fundierten Artikel).
Prominente Beispiele für die Europäische AG finden
sich derzeit (noch?) vor allem bei den großen, bereits international
tätigen Konzernen. Hier sind die Strabag, die Allianz, aber
auch Porsche, BASF und Fresenius zu nennen. Auch der Konzern BP
(zurzeit mit anderen Problemen befasst) hatte vor, eine Europäische
AG zu gründen. Und nach anfänglichem Zögern sieht
es nun so aus, als ob auch mittelständische Unternehmen diese
Rechtsform für sich entdecken.
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